| DivaLife |
| Geschrieben von Birgit Bauer | |
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Montag, 21. Mai
Der Grill brennt - Oder, wie man aus einem Bausatz ein Steak brutzelt Das Wochenende war ich verschollen. Gut ich gebe zu, ich war ehrenamtlich tätig und schwamm auf einer Welle aus Sahne, Creme, Tortenböden, Erdbeeren und anderen süssen Verlockungen und purem Hüftgold. Solche Feste auf dem Land sind allgemein recht gemütlich. Am Freitag organisiert man sich, am Samstag bäckt Diva Kuchen und am Sonntag vertickt sie ihn. Und wenn dann am Montag nur noch ein Häuflein hart gesottener Helferlein da ist, die dann wirklich den letzten Krümel aufgeräumt haben, wird ein wenig zusammen gehockt und, ja, gegrillt. Das Wetter passte und wir hatten alles dazu. Sogar einen Grill. Und jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Männer können eben doch nicht alles. Der Weg vom zerlegten Grill bis zum fertigen Steak ist weit. Es waren, 8 Männer, 1 Grill im Bausatz und eine Frau. Ich. Man öffnete die Schachtel, nahm die Einzelteile heraus und plärrte erst einmal nach Werkzeug. Das kam an. Im Profiformat, drunter tut man es nämlich nicht. Eine rollende Miniwerkstatt für einen Grill, der maximal zwei Schraubenschlüssel und einen Schraubenzieher benötigt hätte. Aber, gut, Männer sind gern professionell. Ich durfte die Verpackung halten, damit die Herren sehen konnten, wie das Endprodukt dann auszusehen hat. Dann erörterte Mann erst einmal, wie so ein zerlegter Grill zusammen gebaut wird und fachsimpelte über die Qualität der Beschichtung der schlanken Grillbeine und den Aufwand einer unnötigen Wanne die meiner Meinung nach zur Stabilitsation und der Formschönheit da angebracht worden war. Aber, was weiß ich schon. Ich bin ja nur eine Frau. Zunge raus Mann hätte ja auch die Montageanleitung kurz studieren können, aber, wer macht den sowas? Neeee, die nicht. Ich las mir das Papier durch und sah mir die Sachen in Ruhe an. Und hätte das Teil in ca. 20 Minuten fertig zusammen geschraubt gehab. Da bin ich sicher. Ausserdem, ich schraube fast alles zusammen und nie bleibt ein Teil übrig. Also, bin ich gar nicht so schlecht. Die 8 Männer legten los. Sie schraubten dort, grabschten da, fummelten hier und kamen nicht ans Ziel. Das haben Männer so an sich. Manchmal sind sie nicht zielstrebig genug. Und bei solchen Grills ist es wie mit Frauen. Erteilen sie einem Kerl eine Abfuhr, wird er orientierungslos. Ich beschloss, ein wenig einzugreifen. Und so wies ich Nr. 1 darauf hin, dass sein rechter Fuß bereits auf dem kleinen Beutel mit den Schrauben stand und Nr. 2 erörterte ich, dass jedes Teil einen Buchstaben hätte, von A bis F und dass man es ganz genau so zusammen schrauben müssen. Und Nr. 3 teilte ich mit, dass ich Hunger habe. Nr. 4 wiederum erzählte mir, dass Mann das mit einem Kennerblick betrachten muss und schraubte prompt die Füsse falsch an, während Nr. 5 den von Nr. 1 verlangten Gabelschlüssel nicht sofort lieferten. Nr. 7 baute derweil die Griffe an den Grillrost und fachsimpelte bereits mit Nr. 6 über das Fleisch, das wartend im Eimer lag und richtig lecker aussah. Nr. 8 schüttelte den Kopf und begann mit Nr. 3, der inzwischen auch Hunger hatte, die kleine Schalenwand mit den Einkerbungen zum Einhängen des Grillrostes zusammen zu friemeln. Die Jungs waren wirklich klasse. Während ich versuchte, zu erklären, dass die beiden kürzeren Grillbeine mit Rädern versehen werden und somit die gleiche Höhe erreicht würde, wie bei Grillbein 3, redeten sie über die Schrauben M 35, die sie zu doof fanden für das Gerät und kramten in der fahrbaren Werkstatt nach anderen Schraubengenossen. Ich trank mittlerweile ein Radler. Wenns mal wieder länger dauert. Irgendwann, so nach 40 Minuten hatten wir es dann geschaft, 8 Männer hatten einen kleinen Grill gebaut. Die Räder waren im totalen Einklang mit den Beinen und hoben sie auf Niveau von Nr. 3, während sie die kleine Wand nach mehrmaligem Zerlegen zärtlich an die Kohlenwanne schmiegte und den Rost stützte. Dass das Teil wackelte wie ein Kuhschwanz und aussah, als würde es gleich wieder sämtliche, liebevoll zusammengeschraubten (mit Profiwerkzeug!!!) Verbindungen lösen, tat erst mal nichts zur Sache. Denn, Mann stellte fest, dass Mann noch Kohlen, Grillanzünder und Profigrillwerkzeug braucht. Mann wollte auch nicht, dass ich (Frau!) das besorge, sondern zog selbst los. Und kam dann nach einer halben Stunde direkt wieder. Welch Glück ! Mein Magen knurrte mittlerweile auffällig laut und gab drohende Geräusche jeglicher Art von sich, während ich mich nur an meinem Getränk festhalten konnte. Kurz und gut, ich bekam mein Steak. Völlig unverbrannt und schön zart gegrillt und sogar auf einem Teller mit Salat serviert. Nach ungefähr 1,5 Stunden. Denn, so ein Grillfeuer muss perfekt angezündet sein, perfekt vorglühen und, natürlich Mann muss sich auch daran austesten. Mit Bier übergossen (und die Kohlen halb löschend) und ohne, die Höhe des Grillrostes und die völlig unzulängliche Grillzange, die sie natürlich ganz anders konstruiert hätten. Ja, meine 8 Männer und ich. Und der Grill. Sie waren ein nettes Team und sie kriegten mich sogar satt. Und wenn man von der Verspätung absieht. Daran müssten die Hersteller arbeiten, die Sachen so herzustellen, dass sie als Profigerät angesehen werden können, denn das erfreut das Männerherz wirklich. Und ich kriege vielleicht schneller was auf den Teller. Geschmeckt hats trotzdem. Danke Jungs, ich musste nicht verhungern. Grad noch die Kurve gekriegt. Birgit, Diva, jetzt satt!
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