| DivaLife |
| Geschrieben von Birgit Bauer | |
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Seite 5 von 39 Dienstag, 15. Mai
Warten! Entspannen und eine Menge Ekel Warten Sie gerne? Also, ich eigentlich schon. Es passieren einem die schönsten Sachen, wenn man in einer Warteschleife hängt. Gut, wenn der Mann meines Vertrauens meint, mich warten lassen zu müssen, dann ist das etwas anderes, aber, im Prinzip warte ich gerne. Es ist wie eine Pause. Eine erzwungene Pause, zugegeben, aber, man muss ruhig abwarten. Man kommt entweder ins Grübeln oder man beobachtet nur. Und das ist spannend und entspannend zugleich. Heute war ich bei einem Arzt. So eine Diva ist manchmal auch mit Ärzten verabredet und so stöckelte ich also dahin. Mir war klar, dass ich sicherlich auf die Wartebank geschoben werden würde, denn, bei diesem Arzt ist immer Warten angesagt. Hoffnungslos überbucht und mit einem vollen Wartezimmer, so kenne ich diese Praxis. Ist aber auch ganz lustig. Die Sessel sind saubequem und die Menschen dort wunderlich. Und das Warten ist dort unheimlich entspannt. Ich saß also da. Mit Absicht schon den Block im Anschlag, nur für den Fall etwas aufschreiben zu wollen. Ich saß neben einer Oma, die ständig ihrer Schwiegertochter auf der anderen Seite erzählte, wie der Weg der Prozession zu gehen war, während die wiederum versuchte, ein Kreuzworträtsel zu lösen. Die Oma begann. "Mei ohne Stock war das eine schwierige Sache." "Wie heißt eine CD mit Musik drauf, 5 Buchstaben?" "Und der Pfarrer, der war so langsam, mir hat alles weh getan! Der hätte echt schneller hatschen können." "Heißluftgebläse ist Fön und ein Fluß mit n in der Mitte? Ist dir wieder die Hex eingeschossen?" "Und die Messe, die hat so lang gedauert! Der hat soviel über die Heiligen gepredigt, dass mir ganz schwummerig wurde." "Ja, wie heißt jetzt diese blöde CD? Und Ja auf Englisch ist Yes!" Si Signora! 100 Punkte für die Kandidatin. Ich grinste hinter meiner Zeitung frech und ein anderer Mann riß auf einmal ein Taschentuch aus seiner Tasche. Und während wir uns zublinzelten, wurde Oma handgreiflich. "Du musst erst das da unten lösen! Da hast ja noch gar nichts!" Ein Finger fuchtelt über das Blatt und wird wie eine Fliege abgedrängt. "Aber erst die CD. Oma ich hab mein eigenes System!" "Und wer kocht mir heute das Abendessen? Und du musst erst das da lösen! Mei, ich sags dir, gleich zapfen die mir Blut ab und dann hab ich wieder blaue Flecke!" Finger gegen Kuli, gleich verliert Finger, der wird vom Kuli mit blauer Farbe vollgekleckst und vom Blattrand in den Abgrund geschubst. "Ich, wenn wir heimkommen und wie heißt dieser blöde Fluß?" Dasitzen, still halten, genießen. Finger gegen Kuli. Kuli gewinnt. 2:0 für Kuli. Oma wird massiv. Sie will, dass das Kästchen da oben ausgefüllt wird. Und zwar sofort. Oma hämmerte mit der Hand auf den Arm der Schwiegertochter und jammerte über die lange Messe, während die Schwiegertochter über Rätselösungen nachsann. Die Zwei redeten klassisch aneinander vorbei. Oma lammentierte über den Rückweg und ihr Abendessen. Sie wünschte sich Schnecken, die sie im Garten züchtete. Und ab da stieg der Ekelfaktor unter uns restlichen Wartenden um mindestens 100%. Um es mit Pretty Woman zu sagen: Schlüpfrige Scheißerchen zum Abendbrot. Mich schüttelte es tierisch und es wurde mir schlecht. So etwas käme mir ja nicht unbedingt in den Topf. Und während Oma über die Zubereitung sinnierte, ob mit oder ohne Knoblauch und mit Weißbrot oder pur, verging mir der Appetit gründlich und ich hatte plötzlich das Bedürfnis nach einem alles verdauenden Obstler. Einem selbst gebrannten Brände am besten. Einer, der alles weg ätzt. Auch den Ekel, der immer grösser wurde. Und ich war nicht alleine. Es ging ungefähr 20 Minuten so und hätten sie nicht mit ihrer Mahlzeit angefangen, wäre ich prima entspannt gewesen. So war ich nur froh, als man mich abholte. Aber, eines konnte ich mir nicht verkneifen. Die Lösung. Als ich das Wartezimmer verließ, drehte ich mich um. "Die CD heißt Album und der Fluß wahrscheinlich Donau! Und bitte, verschweigen Sie ihre Speisekarte zukünftig, uns ist nämlich allen schlecht!" Die Damen hielten inne. Glotzten mir hinterher. Als ich wieder vorbei kam, war das Wartezimmer leer. Der Gang voll. Ich grinste, klar, die Schleimspurzieher hatten im wahrsten Sinne des Wortes Spuren hinterlassen. Aber, nicht bei den beiden Damen, die sich nun um die neue Wortfindung stritten. Medizinischer Fachbegriff für Magenschleimhautentzündung. Gastritis. Wie passend!
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