| DivaLife |
| Geschrieben von Birgit Bauer | |
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Kochende Leidenschaft Der Mann meines Vertrauen ist ein besonders leidenschaftliches Exemplar in zwei Themenbereichen. Ich und das Essen. Bei ihm geht Liebe durch den Magen. Bei mir übrigens auch. Während ich leidenschaftliche Köchin bin, ist er leidenschaftlicher Genießer. Mich und mein Essen geniesst er am liebsten. Man sieht es auch hier und da ein wenig, dass wir gerne gut essen. Bei ihm mehr als bei mir. Und er lässt sich gerne Nachtisch zubereiten. Besonders ein Nachtisch ist der absolute Favorit. Pudding. Schokoladenpudding. Eigentlich nichts einfacher als Pudding. Ein halber Liter Milch, 4 gehäufte Esslöffel Zucker, ein Tütchen eines guten Pulverherstellers (Auch kochende Diven machen sich das Leben ab und an leichter!) und das wars. Milch abmessen, den großen Teil in den Topf, einen kleinen Teil im Krug zurückhalten, Zucker und Pulver rein, gut rühren in die inzwischen kochende Milch gießen und zum Pudding kochen. Dabei drauf achten, dass das, was nach unten sackt. Das kann man mit ständigem Rühren verhindern. Eigentlich ganz einfach oder? Heute drehte ich den Spieß um. Heute war es kalt, regnerisch und kuschelig im Haus und dazu gehört Schokoladenpudding. Und ich wollte ihn nicht kochen. Zuerst Herzblatt überreden. Der kommt nach einer ausführlichen Charmeattacke meinerseits gerne mit um seine Süsse mit Süssem zu verwöhnen und scheitert am Auffinden des Päckchens mit dem Pulver. Das ist immens wichtig. Zum einen für die Zubereitung des Puddings und zum anderen auch, um den Pudding richtig herstellen zu können. Nächster Scheiterpunkt ist der Topf. Welcher Topf ist richtig? Wieviel Milch braucht man? Wieviel Gramm hat ein gehäufter Löffel Zucker? Nach 20 Minuten ratlosem Suchen in der wirklich übersichtlichen Küche stand er da. Den typischen Kleinenjungenblick in den Augen. Die Jogginghose völlig verstaubt, die Haare zerrauft und sah mich flehentlich an. Ich ging mit und versuchte ihm das mit dem Lieblingsnachtisch zu erklären. Wieso er mit der Milchmenge zum Verrühren des Pulvers daneben liegt (verrührt sich nicht so gut und klumpt leichter, wenn man sich an die Anleitung hält, mehr ist etwas besser!), wieso er den Milchaufschäumer nutzen soll (der Pudding wird einfach cremiger, weil sich die Zutaten besser vermischen!) und wieso er nicht so schnell im Topf rühren soll (er rührte so schnell, dass alles kalt blieb, anstatt heiß zu werden!). Dass wir dabei aneinander vorbei erklärten muss ich erwähnen. Denn er, der Rationale und ich der Chaot der mit chemischer Verbindung zweier Flüssigkeiten und deren molekularer Struktur nicht wirklich viel am Hut hat (außer der Verbindung von Flüssigkeiten, die eins werden in einem Gefäß), haben völlig verschiedene Auffassungen von der Zubereitung. Er untersucht analytisch und logisch, während ich mixe, schnipple und rühre und schneller mit einem wohlschmeckenden Ergebnis aufwarte, als er mir sagen kann, wie viel chemische Verbindungen ich wohl neu erschaffen habe. Wo mich doch sowieso nur eine chemische Verbindung wirklich interessiert. Rein analytisch und erklärungstechnisch gesehen. Aber zurück zu seinem Versuch, mir eine Freude zu machen. Nach geschlagenen 45 Minuten hatten wir dann ein akzeptables Ergebnis. Schokoladenpudding. Das was bei mir in schnellen 10 Minuten fertig und abgekühlt auf dem Tisch steht, dauerte eine Ewigkeit. Warum wohl? Weil er sich in chemischen Erklärungen erging und nicht verstand, wieso der Pudding anbrennen kann. Aber das Teil war auch lecker. Und das Beste war, nachdem ich dem Kerl mehr oder weniger wie eine OP-Schwester seine Sachen in die Hand gedrückt und den Ofen kontrolliert habe kam: "Mensch, Liebling, das habe ich doch gut hingekriegt!" Ja, klar, richtig gut ! Und nächstes Mal macht der die Übung ganz alleine! Oder er kauft mir im teuersten Lokal der Stadt ein richtig nettes Mousse eau Chocolat...mit Champagner und Erdbeeren. So als Überraschung.... Wenn Männer sich auch so dumm anstellen, wenn sie etwas nicht wollen, müssen sie eben für adäquaten Ersatz sorgen, meine ich!
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