| DivaLife |
| Geschrieben von Birgit Bauer | |
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Packendes, Gepacktes, Verpacktes, Entpacktes Es ist wieder einmal soweit. Ich muss verreisen. Eigentlich reise ich gerne. Ich liebe es, Flughäfen zu durchqueren und zwar mit soviel Zeit, dass ich die Menschen beobachten kann. Wartezonen sind eine wahre Quelle für zwischenmenschliche Krisen, versaute Fantasien, offene Heimlichkeiten, die man zu verstecken versucht und hektische Menschen, die panisch ihr Gate suchen. Eine Keimzelle für Flirts, Streitigkeiten oder gar Weisheiten. Fremden Menschen zuhören kann eine ware Lust sein. Ich liebe es anzukommen und mit dem Koffer aus der Gepäckhalle oder einer Bahnhofshalle hinein in ein völlig fremdes Leben zu gehen, ist spannend. Tief einamtend sausge ich das Leben in der fremden Stadt ein. Es ist mir auch nicht zu blöd, alles Mögliche zu probieren oder alleine alte Städte zu durchstromern, immer auf der Suche nach etwas, was ich in meinem Leben normalerweise nicht habe. Doch, bevor das Vergnügen kommt, kommt bekanntlicherweise die Pflicht. Das Packen. Ein Wort, bei dem sich mir die Nackenhaare gen Himmel richten und Panik in mir aufkeimt, die sich manifestiert, sobald der zu packende Behälter vor mir steht und ich aus meinem Ankleidezimmer das wählen, soll was ich für angemessen erachte. Das Problem ist, ich packe immer zuviel. 20 Kilo für 2 Tage sind keine Seltenheit. Ich mag es eben, genügend Auswahl zu haben. Und das hat auch seine Gründe. Einerseits brauche ich Sachen, die ich mag und die ich gerne trage und andererseits Sachen die ein wenig schicker, repräsentativer sind. Schließlich braucht man Schuhe und Tasche auch passend zum Outfit. Oder nicht? Vor dem Schrank stehend, hochrot im Gesicht und die Malediven rot gescheckt im Ausschnitt, suche ich fieberhaft nach den Outfits, von denen ich persönlich glaube, sie tragen zu wollen. Zu wollen! Nicht zu müssen! Und ich falte zusammen, falte wieder auseinander. Ein frustierender Kreislauf von ich mag dich und ich mag dich nicht. Panisch suche ich im ganzen Haus nach Dingen, die ich strategisch günstig verteilt habe und finde die Hälfte nicht und werde immer unzufriedener. Wir haben also einen Koffer, gerne Hartschale, obwohl mein Traumkoffer von Luis Vuitton ist. Der Klassiker eben. Mit Monogramm und dem passenden Träger selbstverständlich. Gerne hätte ich auch Beauty Case, aber das muss man sich als Diva von Welt schon fast verkneifen, weil nämlich Flüssiges in solchen Teilen sowieso wieder im praktischen Reißverschlußplastikbeutelchen transportiert werden muss. Notwendigerweise würde ich auch ein Trolley von Samsonite wählen. In zartem Gelb. Lässt sich leicht ziehen und helle Farben hat nicht jeder. Die meisten Reisenden reisen mit schwarzem Gepäck. Das habe ich bei einer Gepäckförderbandstudie festgestellt. Eine Tasche für mein Notebook wäre nur zu ideal, besonders, wenn man es am Trolley festmachen könnte. Gerne auch ein schickes Köfferchen für Papiere, Zeitungen und anderen Krimskrams. Vielleicht von Longchamp. Die haben auch tolle Reisegefährten im Programm. Schließlich reise ich gerne mit Niveau. Und ich reise gerne mit Dingen für alle Fälle. Kann ja alles immer passieren. Finde ich. Zurück zum Packen an sich. Wenn Diva ein Ankleidezimmer hat, kann das eine harte Sache werden. Wenn ich nämlich am Morgen keine ausreichende Auswahl an diversen Hosen, Oberteilen, Accessoires, Schuhen und Taschen zur Verfügung habe, bin ich schlecht gelaunt. Und bleibe es auch. Ich mag keine Kompromisse und kann es nicht leiden, mich nicht nach Laune kleiden zu können. Dann folgen meist Unkreativität, Unleidlichkeit und akuter Mißmut. Dazu kombinieren sich Zornesröte und die Maledivenflecken die spätestens beim ersten mal Falten und Entfalten zu einer geschlossenen Fläche mutieren, während ich bereits an Hitzewallungen und Halluzinationen leide. (Mein Schrank begräbt mich unter sich! Ganz übel!) Meine Überlegungen kreisen Tage vor der Abreise bereits um Shoppen und Abendessen. Und allem, was dazwischen so liegen und was man passenderweise dazu anziehen kann. Jeans zum Shoppen sind ok, für einen Businessbesuch mit Shoppingbummel aber nicht. Wenn ich dann noch schlechte Laune habe, will ich meine beige Chino mit weißer Bluse und goldenen Creolen haben und darüber ein Manufakturunikat aus der eigenen Werkstatt. Dazu müssen meist flache Loafer her oder ein kleiner Absatz. Must Have ist dann natürlich noch ein Pashmina für den Fall, dass es kalt wird und auch eine passende Tasche. Bin ich aber gut gelaunt und will Styling pur, ist die Chino natürlich völlig unangebracht, auch die Loafer sind dann ein Fehlgriff. Dann hätte ich gerne das exklusive Teil überhaupt. Einen leichten Rock in A-Form mit schickem Blazer, sehr gerne in hochwertigster Ausführung dazu passend eben wieder die ganze Garnitur. Schuhe, Tasche, Pashmina oder Unikat und Schmuck. Pumps gerne von Stuart Weitzmann. Frau gönnt sich ja sonst nichts. Und genau da liegt das Problem. Ich weiß nicht, wie ich gelaunt sein werde. Meine Launen kann man nicht vorhersagen. Es kam schon vor, dass ich im marineblauen Clubblazer und Jeans bei einer Besprechung auftauchte und im feinen Zwirn shoppen ging. Ich kam auch schon im schicken Costüm zur blauen Stunde und blieb den ganzen Abend und ein anderes Mal stylte ich Jeans mit Corsage und Stola. Alles ist möglich und was möglich ist, weiß ich erst, wenn ich am Morgen vorm Schrank stehe. Beziehungsweise vor dem Koffer. Die Frage ist also, was nehme ich mit, um meinen morgendlichen Stimmungen zu entsprechen? Und was packe ich dazu um meiner Tagesstimmung nachzugeben, wenn ich mich umziehen möchte? Verreisen ist für mich eine extrem lästige Angelegenheit. Und wenn ich mir überlege, dass unsere Vorfahren mit Kleiderkisten reisten oder mit Körben, dann bin ich ja fast wieder dankbar, jetzt wenigstens einen knallroten Trolley zu besitzen, in den wenigstens für zwei Tage soviel Kleider passen, um mich einigermaßen zufrieden zu stellen. Wie reisten wohl Diven früher? Wahrscheinlich hatten sie Träger und Kavaliere, die ihnen die Kästen hinterher schleppten, was aber auch bestimmt mühsam war. Zu meinem LV-Set mit Monogramm bräuchte ich also, um zufrieden reisen zu können, auch noch eine Zofe, die bereits in meinem Ankleidezimmer meine Launen der nächsten Tage vorhersagen kann, wie Meteorologen das Wetter. Einen Launologen also. Oder eine Launologin. Und dann könnte man bestimmt die richtigen Stücke aus meinem Schrank holen und verpacken. Zwischen Seidenpapier natürlich. Und dann wäre ich vielleicht auch in der Lage, weniger einzupacken. Was auch zur Folge hätte, dass ich nicht ca. 70% meiner mitgeführten Gaderobe umsonst mitschleife, weil ich sie gar nicht gebraucht habe. Weil ich zufällig an drei Tagen hintereinander die gleiche Laune hatte. Von den graulichen Folgen vor Ort, wenn ich feststelle, dass das Teil, das ich genau in diesem Moment anziehen möchte, in meinem Ankleidezimmer viele Kilometer entfernt liegt und genau DER Hingucker meines Stylinges wäre, reden wir gar nicht. Dann bin ich nämlich erst recht schlecht gelaunt und habe nur eine Frage im Kopf: "Wieso hast du wieder nur das eingepackt, was du heute nicht willst?" und versinke erneut hochrot und blass im Gesicht und an diversen Körperstellen wechselnd in einer hektischen Kombinierattacke.
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