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Hardcore Gamer leben "virtuell"
Geschrieben von Inca Vogt   

Die Grenzen zwischen virtuellem und realem Leben schwinden auch bei mir. Von Berufs wegen. Weil ich irgendwo in der Pampa leben will und dennoch im Werbebusiness arbeite und Geld verdiene. Weil sogar meine Autorentätigkeit sich zwischen den Welten abspielt und Schreibfrüchte bringt. 

Kein Problem, so lange das alles bewusst geschieht. Lustvoll erlebt von mir, mit Blick auf eine sichtbare und fühlbare Grenze. Anders ergeht es Hardcore Gamern. Für sie übertragen sich die Spielmechanismen zuweilen Eins zu Eins. Sie suchen nach Gamelösungen, nach Knöpfen und Parametern, die zwar im Game zum Erfolg führen, im wahren Leben aber gefährlich werden können.

Hier ein Bericht zum Thema, auf Basis einer ernst zu nehmenden Untersuchung.  

Hardcore-Gamer sehen Welt als Videospiel
Unterscheidung zwischen Realität und Spiel geht verloren
Controller: Gamefreaks verwechseln Realitäten (Foto: flickr, Benjamin Nagel)
Controller: Gamefreaks verwechseln Realitäten (Foto: flickr, Benjamin Nagel)

Hardcore-Videospielfans übertragen Verhaltensweisen aus Computerspielen in die Realität. Manche haben regelrechte Halluzinationen, zeigen Forscher der Nottingham Trent Universityhttp://ntu.ac.uk und der Universität Stockholm http://www.su.se im "Journal for Cyber Behavior". Für ihre Studie befragten sie 42 Videospieler zwischen 15 und 21 Jahren ausführlich.

Suche nach dem Such-Knopf

Die "Game Transfer Phenomena" (GTP) können so weit gehen, dass die Betroffenen in einer Menge nach dem Such-Knopf Ausschau halten, wenn Sie jemanden nicht finden oder Energiesäulen über den Köpfen von Menschen sehen. Leichtere - wenn auch immer noch sehr bedenkliche - Symptome sind Hände, die reflexartig Knöpfe auf einem nicht existenten Controller oder einer nicht vorhandenen Maus drücken.

Aber nicht nur Verhaltensweisen werden durch die oftmalige Spielerfahrung übernommen: Eine Testperson berichtete, dass sie ein Menü von Themen vor sich gesehen habe, über die sie nachdenken könnte. Andere schufen sich eine Liste von möglichen Antworten auf Beleidigungen. "Wir haben unseres Wissens die erste Studie über GTP verfasst", so Studienleiter Mark Griffiths. "Fast jeder der Spieler erzählte von irgendeiner Art der GTP, sie sind aber sehr unterschiedlich und variieren in ihrer Intensität."

 

Tabu für Spielehersteller

Die Wissenschafter dürften tatsächlich auf einen wunden Punkt gestoßen sein: Die deutsche PR-Abteilung eines großen US-amerikanischen Computerspiel-Herstellers verwies etwa auf die entsprechende pressetext-Anfrage zu GTP darauf, dass "dazu keine Aussagen getroffen werden dürfen. Alle Anfragen dieser Art müssen in die USA weitergeleitet werden, werden dabei jedoch stets abgelehnt."

Ein wiederkehrender Trend lässt vermuten, dass intensiver Konsum von Videospielen zu negativen psychologischen, emotionalen und auch verhaltensbezogenen Konsequenzen führt: "Die enormen Auswirkungen müssen sich Softwareentwickler, Eltern, Ärzte und Politiker bewusst machen", schlussfolgern die Studienleiter.

Kurzfassung der Studie unter http://www.igi-global.com/article/game-transfer-phenomena-video-game/58041

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