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Wilde Werbung im Web
Geschrieben von Inca Vogt   

Viruelles Marketing nennt sich die Werbestrategie, die mit gezielt gestreuten Informationen in den Netzen auf die Macht der User setzt. Auf Blogger. Auf alle, die zwitschern. Auf alle, die mit den Lesern offene Worte wechseln. Zu Produkten und Dienstleistungen.

Wie das ankommt? Bei den Konsumenten gut. Bei den Anbietern? Im Zweifelsfall nutzen sie uns bewusst. Uns soll es recht sein, wenn wir mitreden dürfen, oder?

Marketing-Genie Steve Jobs (Foto: apple.com)

Lesen Sie, wie zum Beispiel Apple bewusst, "Geheime Informationen" streut, um uns auf die Markteinführung von neuen Produkten heiß zu machen:  

In den letzten Monaten sickerten immer wieder Informationen zum Apple Tablet in die Medien. Lange vor der Einführung. Wie kam es?

Die verblüffende Antwort: Informationen wurden direkt vom Unternehmen gestreut. Das gezielte Streuen von Geheim-Informationen sei etablierter Teil der langjährigen Apple-PR-Strategie. Diese Behauptung stellt der ehemalige Apple-Marketing-Manager John Martellaro in einem Beitrag für den Mac Observer http://www.macobserver.com/ in den Raum. Er beruft sich dabei auf seine eigenen Erfahrungen als PR-Verantwortlicher bei Apple.

"Apple sieht oftmals die Notwendigkeit, Informationen inoffiziell hinaus zu lassen. Dies geschieht über vertrauenswürdige Kontakte zu den größten Medien. Die Kommunikation findet naturgemäß niemals schriftlich statt", so Martellaro. Mit dieser von oben abgesegneten Strategie der kontrollierten "Leaks" sichere sich Apple die notwendige mediale Aufmerksamkeit, ohne das eigene Image zu zerstören. Denn Apples restriktive Kommunikationspolitik hinsichtlich neuer Produktentwicklungen übt auf Journalisten wie Konsumenten seit jeher einen besonderen Reiz aus.
 

Maximale Kontrolle als PR-Erfolgsrezept

"Apples restriktive 'One-Voice-Policy' widerspricht eigentlich allen Trends der modernen Markenpflege. In der offenen Social-Media-Welt geht es für Unternehmen eher darum, sich nach außen hin zu öffnen und Mitarbeiter zu motivierten Kommunikatoren in den diversen Kommunikationskanälen von Twitter bis Facebook zu machen," erklärt Thomas Pleil, Professor für Journalismus und Kommunikation an der Hochschule Darmstadt.

Apple verfahre in seiner Kommunikationsstrategie aber gerade umgekehrt, indem es seine Mitarbeiter zum Stillschweigen verpflichte und die maximal mögliche Kontrolle über kommunizierte Informationen ausübe. Das Festhalten an einer Strategie, die eher den hierarchisch geordneten 70er- und 80er-Jahren entstammt, hat sich laut Ansicht des PR-Experten für Apple allerdings nicht als Nachteil erwiesen - im Gegenteil.

"Paradoxerweise hat gerade Apple von den Social-Media-Entwicklungen der vergangenen Jahre stark profitiert. Die Marke und jegliche Gerüchte über neue Produkte und Entwicklungen besitzen eine unheimliche Anziehungskraft. Das zeigt sich darin, in welchem Umfang und wie schnell Gerüchte über Apple-Produkte im Netz die Runde machen", so Pleil. Dass Apple diesen Umstand daher mit dem gezielten Streuen von Informationen nutze, sei keineswegs überraschend und zudem eine etablierte Vorgehensweise in der Branche.

Auch Google profitiert von "Info-Leaks"

Kontrollierte "Leaks" erfüllen seit Jahren den Zweck, kostenlose Aufmerksamkeit für ein Unternehmen oder ein neues Produkt zu generieren. Durch die zunehmende mediale Vernetzung und die sozialen Netzwerke verbreiten sich neue Informationen zudem in ungeahnter Geschwindigkeit. In jüngster Zeit geriet vor allem Google "unter Verdacht", kurz vor dem Start des eigenen Browsers Chrome sowie des Google-Smartphones Nexus One mit versehentlich publizierten Informationen nachgeholfen zu haben.

Während bei Chrome ein frühzeitig publiziertes Comic innerhalb weniger Minuten für die heiß ersehnte Google-Schlagzeile auf sämtlichen Internetplattformen sowie in Foren und Social Networks sorgte, nahm Google bei Nexus durch die frühzeitige Verteilung der Telefone an Mitarbeiter in Kauf, dass diese mit inoffiziellen Erfahrungsberichten und Bildern den notwendigen Hype bei Online- und Printmedien einläuteten.

"Eine derartige Strategie, wie sie Apple praktiziert, setzt eine attraktive Marke und gute Bekanntheitswerte zumindest im relevanten Geschäftsumfeld voraus. Als problematisch kann sich allerdings erweisen, wenn Gerüchte sich verselbständigen und falsche Erwartungen geweckt werden, die das Unternehmen letztendlich nicht erfüllen kann", meint Pleil.

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