| Mein Computer versteht mich |
| Geschrieben von Inca Vogt | ||||||||||
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Er weiß, wie ich drauf bin. Er ahnt, wenn mein Leben in Schieflage kommt, oder wenn ich mal wieder ziemlich übermütig die Maus hin und herschiebe. Schwachsinn? Nein, neuester Stand der Technik von Heute und Morgen.
Es ist im Grunde leicht erklärbar. Neben dem direkten Inhalt der gesagten Worte vermittelt die menschliche Sprache dadurch, wie etwas gesagt wird, auch Emotionen. Computersysteme zur automatischen Spracherkennung können bislang aber nur den expliziten Sinninhalt verstehen und somit nicht die gesamte Information verwerten, die das gesprochene Wort transportiert. Aber das soll sich bald ändern. Doch Wissenschaftler am Lehrstuhl für Systemtheorie und Signalverarbeitung (LSS) http://www.lss.uni-stuttgart.de der Universität Stuttgart arbeiten daran, Sprachcomputern auch das Erkennen von Gemütsbewegungen beizubringen. Die normale Spracherkennung ist Vorbild bei Algorithmen und Methoden. "Die mathematischen Ansätze sind sehr ähnlich", meint LSS-Leiter Bin Yang. Während schon seit Jahrzehnten an der Spracherkennung linguistischer Inhalte geforscht wird, arbeitet der LSS auf einem relativ jungen Gebiet. Computer sollen lernen, auch nicht direkt in Worte gefasste Inhalte der Sprache zu erkennen, sogenannte "paralinguistische Eigenschaften". Dazu zählen neben Emotionen wie Angst oder Wut auch Stress, medizinische Auffälligkeiten in der Stimmgebung oder auch Alter und Geschlecht eines Sprechers sowie der Dialekt als Zeichen der regionalen Herkunft. Die Stuttgarter setzen zur Emotionserkennung auf Algorithmen, die jenen aus der Spracherkennung ähneln. Genutzt werden lernende Verfahren unter Verzicht auf festgelegte Regeln, so Yang. Das Erkennungssystem wird mithilfe einer geeigneten Beispieldatenbank trainiert.
Eine Herausforderung ist, dass in der Spracherkennung bewährte Merkmale zur Analyse von Sprachdaten für die Emotionserkennung nach Erkenntnissen der LSS-Forscher nur bedingt geeignet sind. Denn für die Spracherkennung sind phonetische Informationen wichtig, wie beispielsweise die charakteristischen Resonanzfrequenzen von Vokalen. "Wir müssen hingegen praktisch hinter den Vokaltrakt schauen", meint Yang. Denn der emotionale Zustand des Sprechers spiegle sich eher in der Anregung der Stimmlippen wieder. Paralinguistische Informationen verstecken sich somit an anderen Stellen des Sprachsignals als solche, die für die Spracherkennung relevant sind. Dementsprechend intensive Forschungsarbeiten sind daher noch nötig, ehe eine automatische Emotionserkennung wirklich praxistauglich wird. Schöne, gläserne neue Welt? Oder doch viel mehr? Viel mehr Möglichkeiten bietet der emotionale Computer ganz sicher. Auch wenn mir momentan schon reichen würde, wenn das Sprachmodul etwas vordergründiger wäre. Eine Funktion, die ich gestern zufällig auf meinem Notebook entdeckte. Ich muss sie nur noch konfigurieren, testen und dann mal gucken, ob mein Computer mich auch blind versteht, wenn mir die Lust aufs mühsame Eintippen vergeht. Meine Emotionen muss er wirklich nicht immer deuten. Wer weiß, ob ihm da nicht ab und an die Lust auf Zusammenarbeiten und -spielen vergeht;-) Ähem, die Rede ist immer noch vom Computer, vom Notebook, vom Arbeitsgerät, das mittlerweile vermutlich wichtiger ist, als es die gute alte Schreibmaschine je werden konnte. Aber das ist ein anderes Thema, über das wir auch ganz sicher demnächst berichten werden.
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