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Grau raus, Farbe rein
Geschrieben von Inca Vogt   

Im Grunde ist es ganz einfach. Grau ist tatsächlich nur das Fehlen der Pigmente. Und keine "Haarfarbe", die sich mit dem Alter zeigt. Also muss Farbe rein, um entweder wieder Natur zu zeigen oder Farbe zu bekennen. 

Doch wie emanzipiert und Farbe bekennend sind die Frauen heute? Immerhin dürfen Frauen ungestraft von öffentlichen Moralpredigern seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts die "graue" Entlarvung des tatsächlichen Alters zumindest auf dem Kopf korrigieren.

Wir dürfen das, was bis dato nur in Rotlichtkreisen gang und gäbe war: Haare Färben, Lippenstift tragen, uns jung stylen. Wagte man früher solche Verschönerngen und Verjüngungskuren rutscghe man in die Schublade "leichtes Mädchen." Gute Bürgerinnen trugen Natur. Punkt.

Dann kam die Befreiung, die Tugendwächter bekamen zumindest in punkto Haarfarben ein Mundpflaster.

Selbst unsere Vorzeige Emma Alice Schwartzer konnte den Trend zum Jahre wegmogeln nicht aufhalten. Entgegen ihrer sonstigen Befreiungs-Thesen, galten Ihre naturgetreu entfärbten Haare nicht als Vorbild. Jahrelang.

Doch irgendwie dreht sich neuerdings die Zeit angeblich zurück. Mit einem neuen Verständnis für die natürliche Haarfarbe oder besser gesagt, dem "Ergrauen." Immer wieder tauchen in den Medien Meldungen auf, die dafür plädieren: Frauen steht zum Älter werden. Auch wenn die Haarfarbe schwindet und dem Grau Platz macht, seid selbstbewusst. Zeigt ungeniert Naturgrau.

Als Meryl Streep sich bei den Produzenten von "Der Teufel trägt Prada" durchsetzte, in ihrer Rolle als Miranda graue Haare zu tragen, zeigte sie sich angeblich als Trendsetterin. Und andere folgten. Angeblich stehen immer mehr Frauen zu ihren Silbersträhnen und verzichten auf das Färben. "Graue Strähnen vorn zum Gesicht hin sind gerade sehr beliebt", bestätigte gar Starfriseur Udo Walz.

Selber Grau, müsste der Promifriseur es ja wissen, was meinen Sie? Oder doch nur wieder der Versuch, da ein Selbstverständnis vorzubeten, wo es nicht gefragt ist? 

Tatsächlich sind es nicht nur Prominente oder Models, die selbstbewusst zu ihrem Grau stehen. Grund: Ein neues weibliches Selbstbewusstsein. "Frauen gehen zunehmend gelassener mit dem Älterwerden um", beobachtet Corinna Langwieser vom Trendbüro Hamburg. "Sie beginnen, ihren Körper also auch ihre grauen Haare zu akzeptieren." Das bestätigte kürzlich eine Umfrage eines New Yorker Soalforschungsinstituts: Danach finden fast 90 Prozent der Frauen zwischen 50 und 64 es wichtiger, sich zu pflegen, als erste Altersanzeichen zu verstecken.

Laut US-Autorin Anne Kreamer sind die Deutschen dabei fortschrittlicher als die Amerikaner. Während von den 16 US-Senatorinnen zwischen 48 und 76 Jahren keine einzige ihre grauen Haare zeigt, stehen Politikerinnen wie Renate Schmidt oder Annette Schavan problemlos zum Alter.

Kreamer selbst hörte mit Ende 40 auf, sich die Haare zu färben, und erntete unterschiedlichste Reaktionen. Als sie ihren Look im Internet testete, indem sie ein neues und ein altes Foto einstellte, verblüffte das Ergebnis sogar sie selbst: Mit der grauhaarigen Anne wollten deutlich mehr Männer ausgehen.

Was sagt man dazu?

Ich persönlich finde es schade, dass es hier nur Schwarz und Weiß, pardon: Grau oder Farbe geben soll.

Wie wäre es stattdessen mit einem gelassenen: Jedem und jeder das Seine oder Ihre. Von Knallbunt bis dezent zurückgeführt zur natürlichen Haarfarbe? Nur so behalten wir den einst so hart erkämpften Status des eigenen Köpfchens auch auf Dauer. Das bezieht Grau in allen Schattierungen natürlich mit ein, bis hin zur silberweißen Variante, die nur ein Topfriseur wirklich traumhaft hinbekommt. Passend zu allem, was an neuen Trendfrisuren von den Schneidemeistern der Figarozunft geboten wird.

 

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