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Karl Lagerfeld. Spartanisch leben
Geschrieben von Inca Vogt   

Modeschöpfer Karl Lagerfeld möchte sein Leben vereinfachen. Nur noch drei Bedienstete stehen ihm künftig zur Verfügung. "Ich bin innerhalb von Paris umgezogen in ein kleineres Haus", sagte er dem ZEITmagazin.

"Ich habe keine Lust mehr auf so viel Personal", bekennt Karl Lagerfeld. Aber ganz ohne Bedienstete scheint es für ihn im ersehnten spartanischen Leben nicht zu gehen: "Zwingend bleiben Zimmermädchen, Chauffeur und Koch rund um die Uhr."

Außerdem habe er sich ein Haus im US-Bundesstaat Vermont gekauft. Das Haus von 1840 "liegt auf einer Insel in einem See" an der kanadischen Grenze. "Das ist für mich die neue Bescheidenheit", sagte Lagerfeld. Er stufte sich selbst als "von sehr puritanischer Natur" ein. "Ich erlaube mir nichts, gönne mir wenig. Ich könnte sehr spartanisch leben", sagte er.

Seine Branche, die Luxusindustrie, sei von der Finanzkrise wenig betroffen: "Zum Glück gibt es heute Vermögen auf der Welt, die es bei der Weltwirtschaftskrise von 1929 noch nicht gab - chinesische, indische, arabische, russische. Wenn die Krise vorbei ist, werden Europa und Amerika endgültig die schöne alte Welt sein, und die neue Welt wird repräsentiert von Indien, China und den Golfstaaten", prophezeite Lagerfeld.

Ein Leben für die schönen Dinge des Lebens

Karl Lagerfeld ist eines jener Kinder, die bereits mit dem goldenen Löffelchen geboren wurden. Bei ihm war es ein "Milchlöffel". Oder konkret ein Elternpaar, von dem andere nur träumen dürfen. Als Sohn des Hamburger Dosenmilchproduzenten, bekannt als Glücksklee-Milch GmbH, mangelte es dem Knaben wohl an nichts. Bis auf Mutterliebe. Nach eigenen Aussagen blieb das Verhältnis zu seiner Mutter sein Leben lang recht distanziert. Allerdings habe er im Gegensatz zur losen Beziehung zum Vater, seine Mutter bewundert und respektiert. „Meine Eltern fand ich toll“, äußerte Lagerfeld einmal.

Sein Geburtsjahr sei angeblich 1938, doch so ganz genau kennen das wohl auch nur seine Erzeuger und er selbst. Das Kirchenregister munkeln anderes, aber lassen wir dem Kaiser der schönen Kleider seine selbsterdachten Zahlen. Wir wissen nur eins verbindlich: Karl Lagerfeld ließ sich 2003 zu seinem "65. Geburtstag" und am 10. September 2008 "offiziell" zum "70er" gratulieren.

Biografisch belegen lassen sich noch folgende Daten:

1944 zog Lagerfeld nach Bad Bramstedt, auf das inzwischen abgerissene Landgut Bissenmoor. Dort besuchte er einige Jahre die Schule.

1953 verließ Lagerfeld mit seiner Mutter Deutschland und ging nach Paris, wo er seinen schliff in einer Privatschule verfeinerte.

Aktuell lebt und arbeitet der Modemeister in Paris und Biarritz, wo er ein Schloss im Stile des 18. Jahrhunderts einrichten ließ. Wie spartanisch seine weiteren Wohnungen in Monte Carlo, Rom und New York sein mögen, lässt sich wohl nicht mit nseren Maßstäben ermessen. Das weiß nur Modekaiser Karl selbst.

Des Kaisers einzigartige Kleider 

1955 gewann Karl Lagerfeld mit einem Wollmantel einen Preis im Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats IWS. Der Preis bescherte ihm eine Stelle bei Pierre Balmain, bei dem sein Wollmantel in Produktion ging.

1958 wechselte Lagerfeld zu Jean Patou. Freiberuflich arbeitete er für Valentino und Krizia.

1964 bekann Lagerfeld ein Kunststudium, kehrte aber nach drei Jahren wieder zurück.

Bis 1983 entwickelte er Kollektionen für Chloé.

1972 erreichte Lagerfeld weltweite Anerkennung mit seinen Deco-Kollektion, die aus Schwarz-Weiß-Drucken mit dem berühmt gewordenen asymmetrischem Schnitt bestand.

Er wechselte er zu Chanel als Chefdesigner. Mit seinen Prêt-à-Porter-Kollektionen baute er seine weltweite Berühmtheit aus.

1965 erscheinen seine Entwürfe für das italienische Pelzhaus Fendi.

1980 bis 1984 ist Lagerfeld Gastprofessor der Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Zeitgleich gründete er sein eigenes Label, bekannt für extravagante Strickmode, das er 2004 an den US-Modekonzern Tommy Hilfinger verkauft.

Die Pariser Designer-Kollektion für Damen, „Lagerfeld Gallery“, wurde umbenannt in „Lagerfeld Collection“ und von zwei jüngeren Labels, „Karl Lagerfeld“ für Damen sowie „KL Lagerfeld“ für Herren, ergänzt.

2004 erregte Lagerfelds Zusammenarbeit mit Hennes & Mauritz die Gemüter. Wie konnte der King der Haute Couture kostengünstige Kollektionen fürs gemeine Volk entwerfen? Karl Lagerfeld kann, und schert sich bis heute wenig darum, was geht und was nicht geht. Und das macht ihn auch zu der Modeikone, die unsere uneingeschränkte Bewunderung verdient. Mag ja sein, dass ihm das goldene Löffelchen in die Wiege gelegt wurde. Doch aufgelöffelt und gemehrt hat er es selbst.

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Kommentare (1)
1. 25-12-2008 20:02
Der König der Roben darf so sein. Wie alle, die sich ihr Anderssein und -leben selbst verdienen. 
 
Nur Mittelmaß sollte auch in der Modeszene ab und an hinterfragen, ob die Schrullen nicht größer sind als das Können! 
 
Saskia R.
Geschrieben von: Saskia (Gast)

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