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Haarausfall im Keim stoppen?
Geschrieben von Inca Vogt   

Die Verhinderung des erblich bedingten Haarausfalls gehört zu den größten Zielen der Beauty-Industrie. Doch die kosmetischen Mittel sind begrenzt. Eine genetische Umpolung oder Reparatur könnte helfen.

Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Düsseldorf haben ein neues wichtiges Haarausfall-Gen entdeckt. Die Forscher untersuchten in ihrer Studie mehr als 500.000 Stellen im menschlichen Erbgut. Dabei stießen sie auf eine Genvariante, die bei kahlköpfigen Männern deutlich häufiger vorkommt als bei Kontrollpersonen. Die Ergebnisse erscheinen in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift "Nature Genetics".

Ganz neu ist dieser Ansatz nicht. Schon 2005 hatten dieselben Wissenschaftler ein erstes Haarausfall-Gen identifiziert, das über die Mutter vererbt wird. Darum schlagen Männer in punkto Haarausfall oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits. Das neu entdeckte Gen erklärt dagegen Ähnlichkeiten in der Hauptbehaarung zwischen Vater und Sohn.

Es ist erst die zweite Erbgut-Region, die zweifelsfrei mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden kann. Die Forscher versuchen nun herauszufinden, welche Funktion das betroffene Gen beim Haarwachstum übernimmt. Erst dann lässt sich abschätzen, ob sich hierdurch neue Möglichkeiten für die Therapie ergeben.

Die Wissenschaftler vermuten, dass für den vorzeitigen Haarverlust noch weitere Gene verantwortlich sind. Für die Fortsetzung ihrer Studie suchen sie nach weiteren Probanden. Teilnehmen können Männer unter 40 Jahren mit weit fortgeschrittenem Haarausfall sowie Männer über 60 mit vollem Haar. Alle Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung. Nähere Informationen sind bei PD Dr. Roland Kruse, Universitäts-Hautklinik Düsseldorf, Telefon 0211/8116360 oder E-Mail Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können erhältlich.

Interessant sind die Befunde unter anderem für die Vererbungswege: So liegt das zuvor einzige bekannte Risiko-Gen für den Androgenrezeptor auf dem X-Chromosom. Es wird also von der Mutter vererbt - daher schlagen Männer in punkto Haarausfall oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits. Das neu entdeckte Gen liegt dagegen auf Chromosom 20 und kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden. Dadurch lassen sich Ähnlichkeiten zwischen Vater und Sohn erklären.

Soweit die Wissenschaftler. Doch was bedeutet das für alle Betroffenen? Hier kann man nur hoffnungsvoll orakeln. Vielleicht ist in absehbarer Zeit eine frühe Genkorrektur möglich? Vielleicht arbeitet man in geheimen Forschungslaboren bereits an Möglichkeiten, die Erbinformation zu ändern. Dabei hoffe ich zweierlei: erstens, dass diese Forschungen nicht wie schon so oft an Tieren stattfinden, deren genetische Voraussetzungen wohl kaum auf den Menschen übertragbar sind. Oder kennen Sie Affen mit Haarausfall? Zweitens, dass alles Bemühen um eine Genkorrketur, nicht entscheidende andere Faktoren mit beeinflusst, von denen wir noch garnichts wissen.

Bis dahin bleibt nur eins zu sagen: Nicht die üppige Haarpracht macht den Kerl aus, sondern das was darunter ist. Dennoch: wir bleiben dran am Thema Kopfschmuck.  

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