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Zum Valentinstag schenken Frauenversteher:

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Lola schreibt ...
Geschrieben von Lola Lorenz   
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Lola schreibt ...
Sein Badezimmer
Krüppel
ILola

... was ihr gerade in den Sinn kommt. Meistens Blödsinn, oftmals albern, in der Regel (und außerhalb) das Thema verfehlend - aber nur sehr, sehr, sehr selten langweilig. Ausdrücklich bestätigt von der Redaktion ... 

Die Brillenschlange 

Moin,

OKOK, ich bin nicht nur eitel wie ein Pfau sondern auch noch blind wie ein Maulwurf und manchmal auch dämlich wie ein Esel. Soweit zur Zoologie meiner Psyche.

Seit ich denken und laufen kann (was nach Aussagen meiner Mutter deckungsgleich ungefähr im Alter von 4 auftrat) (mal im Ernst: die haben mich freiwillig überall hingetragen. Es gab für mich keinen Grund, ihnen auf die Nase zu binden, dass ich laufen konnte) (habe ich oben eigentlich faul wie ein Faultier erwähnt?) also seit damals trage ich eine Brille.

Was bis zum Durchschreiten eines Schultors als „soooo süüüüssss“ gilt, wird danach schnell zum Gegenteil. Ein Insider definiert sich ausschließlich über die Außenseiter und mit einer Brille könnte man sich damals auch gleich freiwillig an den Rand stellen. Du hättest eher im Lotto gewonnen, als beim Sport als einer der Ersten ausgewählt zu werden. Ich gebe aber auch gerne zu, dass es unter Umständen auch damit zu tun hatte, dass mich damals keiner mehr tragen wollte und im Sportunterricht schon gleich gar nicht.

Meine ersten Brillen hatten noch Glasgläser. Ich wusste lange Zeit nicht, dass man Brillengläser auch putzen musste, denn sie pflegten mir immer runter zu fallen, bevor diese Notwendigkeit auftrat. Ich war lange davon überzeugt, dass die ganze Welt von einer Horde von Spinnen beherrscht wird, die ihr feines Netz überall spannen, wenn man genau hinsah. Mit meinen ersten Plastikgläsern wurden die Spinnen von den Nebelmonstern abgelöst und dann von der Notwendigkeit, die Brille doch ab und zu putzen.

Nach meiner Einschulung beschloss erstmal, dass ich keine Brille mehr tragen und/oder nicht mehr zur Schule gehen würde. Das mit der Schule würde sich ohne Brille nämlich sehr schnell erledigen, weil ich so kurzsichtig war, dass ich ohne Brille das Schulgebäude (ca. 250 Meter lang und 25 Meter hoch) nicht gefunden hätte. Um meine Meinung zu ändern, erzählte mir mein Vater ein Märchen. Wie ich später lernen durfte, es ist ein sehr übliches Verfahren von Männern, Märchen zu erzählen, um die Meinung einer Frau, egal welchen Alters, zu ändern.

Mein Vater erzählte damals das Märchen von der Prinzessin mit der Brille: „Es war einmal eine wunderhübsche, kleine, kluge, dunkelhaarige, ca. 6 Jahre alte Prinzessin (der Mann wusste, wie man mich rumkriegt!), deren Brille von bösen Magier Televisiona so verhext wurde war, dass sie die Welt nicht mehr so sehen konnte, wie sie war. Sie sah alles nur noch schwarz. Da holte ihr Vater, der weise, noch nicht ganz so alte, gut aussehende, sehr, sehr kluge König (ist Eitelkeit eigentlich vererbbar?) eine hübsche Hexe an den Königshof, die der Prinzessin helfen sollte. Die Hexe warf ganz viele Zutaten in ihren Topf, rührte 3mal um und holte eine Brille raus, die rosa Gläser hätte. Die Prinzessin setze sie auf und sah nun alles in zarten Pastelltönen. Aber nach ein paar Tagen merkte der Vater, dass sie das Leben der Prinzessin nicht wirklich geändert hatte; sie sah weiterhin nur in der Ecke und tat nichts. Allerdings hätte sich ihre Laune geändert: vorher war sie sehr ängstlich gewesen, aber nun lächelte sie den ganzen Tag. Dafür tat sie sonst nicht viel, sie aß noch nicht mal mehr.

Der König ließ eine andere Hexe kommen, die warf ihrerseits wieder viele Zutaten in einem Topf und raus kam eine Brille mit gelben Gläsern. Durch diese gelben Gläser konnte die Prinzessin sehen, was sie alles noch tun musste. Und das tat sie – sie rannte den ganzen Tag durch die Gegend, was sie noch was zu erledigen hatte. Sie ging zur Schule, rettete die Macht ihres Vaters, tötete alle Drachen in seinem Reich und alle Prinzen, die das eigentlich tun sollten, gleich mit.

Da ihr Vater das Gefühl hatte, dass sie nun etwas über das Ziel hinausgeschossen war, holte er noch eine Hexe, die aus ihrem Topf wiederum eine Brille mit grünen Gläsern hervor zog. Die Prinzessin sah nun von Allem nur noch das Wesentliche. So sah sie zwar die Liebes ihres Vaters, aber auch seine Unfähigkeit sie zu verstehen. Sie sah die Bemühungen des Premierministers, ihrem Vater zu gefallen, aber sie sah auch, dass er das mehr für sich selbst tat. Bei allen Menschen, die sie liebte oder zumindest mochte, sah sie nun auch die schwachen Seiten, die sie bislang sorgsam vor der kleinen Prinzessin verborgen gehalten hatten und die Prinzessin wurde von Tag zu Tag ein bisschen ungepflegter, weil sie sich nicht traute, mit dieser Brille in den Spiegel zu sehen und sie verlor Tag für Tag ein Stückchen mehr von ihrem Glauben, bis sie glaubte, es nicht mehr aushalten zu können.

Da kam ihr eine Idee. Sie hielt alle Brillen übereinander und sah plötzlich das weiße Licht. Sie merkte, dass sie alle Sichten brauchte, um die Welt zu verstehen. Seitdem wurde sie nicht mehr ohne ihre Brillen gesehen.“

Aber so sehr ich meinen Vater auch bat: er konnte mir eine solche mehrfach Brille nicht besorgen. Also einigten wir uns auf eine, deren rotes Gestell kleine Glitzersternchen hatte, die war genauso so gut, wenn nicht sogar besser!

kurzsichtige Grüße, 

Lola



 
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