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Quallen. Kosmetikgrundstoff?
Geschrieben von Inca Vogt   

Alles, was sich in den Meeren findet, scheint für uns brauchbar zu sein. Außer Quallen, die bislang höchstens im Kochtopf landeten. Jetzt fanden japanische Wissenschaftler heraus, dass sie auch als Grundstoff für Kosmetik taugen.  

Sie waren bislang eher eine Plage als brauchbar. Zwar gab es in asiatischen Kochbüchern Rezepte für Quallengerichte, doch konnte das der großen Quallenplage vor den Küsten Japans keinen Einhalt gebieten. Aber offenbar haben wir uns da mal wieder geirrt. Forscher entdeckten, dass der Schleim, den Quallen produzieren, für die Kosmetik- und Pharmaindustrie einen wertvollen Rohstoff darstellt. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Kiminori Ushida vom Institute of Physical and Chemical Research http://www.riken.jp in Wako hat den Schleim von fünf verschiedenen Quallenspezies extrahiert und entdeckte, dass sich darin große Mengen von Muzinen befinden. Diese organischen Schleimstoffe aus der Gruppe der Glycoproteine, sind Makromoleküle aus einer zentralen Proteinkette und langen Seitenketten aus Zuckerverbindungen. Durch ihre Wasserbindungskapazität und die Fähigkeit, sich untereinander zu vernetzen, haben Muzinlösungen eine gelartige, schleimige Struktur und hohe Viskosität. Eigenschaften, die für die Kosmetikindustrie interessant sein könnten.  

Ushidas Forschungsteam hat die Arbeit an den Quallen auch interessiert, weil vor den Küsten Japans derzeit eine wahre Quallenplage herrscht. Die Tiere haben sogar Zu- und Abflüsse eines Kernkraftwerkes verstopft. Experten führen das extreme Auftreten der Tiere auf Umweltverschmutzung zurück.

"Tatsächlich ist das massenhafte Auftreten von Quallen ein Hinweis darauf, dass etwas im gesamten ökologischen System nicht stimmt", so Kristina Barz, Expertin für Quallen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung http://www.awi.de

Für das vermehrte Auftreten der Quallen sind verschiedene Gründe mitverantwortlich. "Einer davon ist definitiv die Überfischung, denn Quallen und Fische teilen sich dieselbe Nahrung. Sie sind also Nahrungskonkurrenten. Beim Wegfall einer der beiden Konkurrenten kann sich der andere einen Vorteil verschaffen." Ein anderer Grund sei auch der Wegfall der Fressfeinde. "Es gibt nämlich eine große Zahl von Fischen, Schildkröten und Seevögeln, die Quallen auf ihrem Speiseplan haben", führt Barz aus. Quallen sind darüber hinaus auch relativ robust gegenüber Klimaveränderungen. "Das bedeutet, dass auch ungünstige Lebensumstände wie Wassererwärmung oder Sauerstoffarmut die Quallen überleben lassen. Fische oder andere Meereslebewesen sind wesentlich empfindlicher", erklärt die Wissenschaftlerin. Indirekt sei auch die Umweltverschmutzung, die zu einem höheren Nährstoffeintrag und zu einem Sauerstoffentzug führt, mitverantwortlich für das massenhafte Auftreten der Quallen.

Angesichts der neuen Forschungsergebnisse dürfte sich hier eine interessante Entwicklung abzeichnen. Wir bleiben dran und berichten, sowie erste Kosmetika auf Basis der schleimigen Absonderungen spruchreif sind.

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