| Der erste Champagner |
| Geschrieben von Inca Vogt | ||||
Seite 1 von 2 Niemand weiß, wann und wer zum 1. Mal prickelnden Schaumwein genießen durfte. Mit Sicherheit war es nicht das Mönchlein Dom Perignon, das in der Abtei Hautvillers in der Champagne den Schaumwein zufällig "erfand." Der blinde Kellermeister kämpfte sein Leben lang gegen die zweite Gärung seiner liebevoll gekelterten Weine, war aber am Ende dann doch stolz auf seinen ersten "vin mousseux". Das mit Bestimmtheit allererste Zitat über den Schaumwein stammt allerdings wirklich von ihm. Nach Verkostung des prickelnden Rebensafts rief er begeistert aus:
"Brüder, kommt schnell, ich trinke Sterne!" Und sie hatten Korken. Auszug aus einem achtseitigen Dokument des Christopher Merret vom 17. Dezember 1662: "... dass unsere Weinerzeuger in jüngster Zeit allen Arten von Weinen Zucker und Melasse zusetzen, um sie frisch zu halten und perlend zu machen." Das war sechs Jahre bevor Dom Perignon zu experimentieren begann und 70 Jahre vor der Gründung des ersten Champagner-Hauses in Frankreich. Die Wortschöpfung "Schaumwein" kommt von Johann Gottfried Herder, der 1779 das französische Wort "Mousse" mit Schaum übersetzte. "La mousse" (Moos) ist im Französischen die mit einem Moosüberzug vergleichbare Schicht, die sich im Glas bildet, wenn die Kohlensäure freigesetzt wird.
Wer in Deutschland zuerst den schäumenden Wein herstellte, ist nicht sicher. Nach einigen Schriften war es der Prälat Spengler, der im Zisterzienser-Kloster Maulbronn einen dem Champagner ähnlichen schäumenden Wein erzeugte. Andere Quellen berichten vom Kellermeister Peter Gimbel, der 1790 für ein Kostümfest beim Mainzer Kurfürsten prickelnden Wein aus der kurfürstlichen Kellerei ausgeschenkt haben soll. Die Pioniere der deutschen Sekterzeugung waren jedenfalls junge Winzer, die nach Frankreich gingen, um Erfahrungen in der Champagne zu sammeln. Einige blieben gleich dort, heirateten ein oder gründeten eigene Kellereien - der Grund, warum viele französische Champagnerhäuser so unfranzösische Namen haben. Die meisten kehrten zurück in die Heimat und begründeten die deutsche Sektkultur.
Die älteste Sektkellerei ist die von Georg Christian Kessler in Esslingen. 1849 gab es in Deutschland bereits 43 Betriebe, der Boom begann, Sekt machte von sich reden. 1872 lag die Jahresproduktion bei vier Millionen Flaschen. Das Sektgeschäft florierte derart, dass 1888 die Frankfurter Zeitung notierte: "An der Spitze der rheinischen Exporthäuser steht die weltbekannte Firma Deinhard & Co. in Koblenz, welche 87.988 Gallonen an Fass und Kisten (4.000 Gallonen mehr als 1886) nach den Vereinigten Staaten schiffte."
Da haben wir heute ja noch richtig Glück: Seit 2002 beträgt die Sektsteuer einen Euro. Und niemand muss mehr alleine trinken: denn kein Schluck vom köstlichen Schaumwein, bei dem Vater Staat nicht mit von der Partie ist. 1925 wurde "Sekt" amtlich, nachdem "Champagner" den deutschen Herstellern durch den Versailler Vertrag bereits nicht mehr erlaubt war.
Es gibt Zahlen, die sind so trocken wie ein altes Stück Brot... |
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