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Meine erste Brille war Rot. Und alle sahen rot, wenn sie mich damit sahen. "Brillenschlange und Streberin" waren noch die schmeichelhaftesten Kosenamen für das Dreikäsehochwesen mit Zöpfen, ungelenken Bewegungen und diesem Fremdkörper auf der Nase. Also packte ich das notwendige Übel nur dann aus, wenn ich weiter entferntes klar sehen musste. In der Schule zum Beispiel. Die restlichen Lebensansichten nahm ich bevorzugt unbebrillt, im Unschärfemodus wahr. Behindert fühlte ich mich nicht. Im Gegenteil. Ich malte mir aus, dass ich durch meine Kurzsichtigkeit privilegiert sei. Im Vergleich zu den Klarsehenden, sah ich das Leben wie ein empressionistischer Maler mit weichen ineinander fließenden Konturen. Mit Weichzeichner, mit "meinem" eigenen Blick.
Es reichte, dass ich alles Wesentliche deutlich sah: Die Buchstaben in meinen geliebten Büchern. Später den Schminkspiegel, zwecks Korrektur des unbebrillten Gesichts. Zum Kohleaugen malen genügte meine Kurzsichtigkeit. Ich erkannte sogar die krassen Unterschiede zwischen bebrillten und unbebrillten Augen. Mit Brillengläsern durfte ich fetter auftragen, die Augen wirkten kleiner. Das sei so bei Kurzsichtigen Brillengesichtern, las ich irgendwo.
Bei allen schminktechnischen Einsichten waren die Aussichten auf das Brillenmonsterdasein duster. Der Schock saß tief. Weiterhin mied ich die Brille wie eine entlarvende Krücke, die nicht zu meinem Leben passte. Selbst beim Autolenken bevorzugte ich die alternative Sonnenbrille mit Korrekturschliff.
Schwierig, wenn die Tage kurz, die dunklen Nächte lang sind.
Unmöglich, wenn man sich für ein idyllisches Landleben entschieden hat, wo der nächste Lebensmittelladen Kilometerweit entfernt ist. Notgedrungen traute ich mich in diesem Winter dann doch zum Optiker, um eine ungetönte Korrekturbrille zu kaufen.
Das war die Wende. Beim Anprobieren der neuen Modelle stellte ich fest, die richtige Brille kann ein Schmuckstück sein. Die ideale Brille unterstreicht die Persönlichkeit und schmeichelt dem Gesicht. Ja, sie kann sogar die etwas zu dunklen Nachtschatten unter den Augen kaschieren. Gute Gründe, endlich auch die jahrelang gepflegten Vorurteile zu korrigieren.
Weitere schmeichelnde Aussichten für alle Kurzsichtigen und Weitsichtigen bieten die neuen Brillenmodelle, die sich wirklich sehen lassen können. So gibt es jetzt anstelle der dunklen Einheitsgestelle im sogenannten "Nerdbrillen"-Design, weichere Retroformen. Selbst die klassische Pilotenbrille kommt wieder. Allerdings in ganz neuen Materialien und Farben.
Übrigens gibt es diese Modelle notfalls auch aus "Schummelglas". Nur für den Fall, dass es nix zu Korrigieren gibt. Außer dem angesagten i-Tüpfelchen auf der Persönlichkeit.
Also gleich auf Weiter klicken und künftig aufs Schönste durchblicken. Auf interessante Brillenaussichten für Kurz-, Weit- und Trendsichtige.
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